Meine Erfahrungen mit verschiedenen japanischen Kampfkünsten
Die Kampfkunst-Stile, die du bei mir trainieren kannst
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Wie ich zu den Kampfkünsten kam...
Seit dem Jahre 1985 war und bin ich überwiegend Schüler bei japanischen Kampfkunst-Meistern. Ich genoss fast ausschließlich privates Training. Hinzu zu den japanischen Stilen lernte ich auch einige andere Stile aus anderen Ländern. Im Laufe der Jahre probierte ich viele Kampfkunst-Stile aus, bis ich einen für mich optimalen Kampfkunst -Stil entdeckte. Das war schließlich das Ninjutsu. Schwerpunkte dabei waren und sind immer noch der Stockkampf, Schwertkampf und die Messerkampfkunst, hinzu kommen der waffenlose Kampf mit raffinierten Hebeltechniken und die Magie der Ninja, wo es in spirituelle Bereiche hineingeht.
Bereits mit sehr jungen Jahren faszinierten mich die ostasiatischen Kulturen. Zu den Kampfkünsten gelangte ich während der Schulzeit. In der Schule wurde ich des öfteren von größeren Mitschülern verprügelt. Um mir helfen zu können, lernte ich in Bremen in einer japanischen Internat-Schule Karate. Ich wurde zuerst im Goju Ryu unterrichtet, später dann im Kyokushin Kai Stil. Danach schaute ich mich in weiteren Kampfkunst-Stilen um. Manche trainierte ich länger, andere schaute ich mir auch nur kurz an. Als ich 18 Jahre alt wurde kam ich zum geheimnisvollen Ninjutsu. Ninjutsu trainiere und unterrichte ich bis heute.
Während einem sechswöchigen Aufenthalt in Japan im Jahr 1995, hatte ich die Ehre meinen heutigen Ninjutsu-Lehrer Taguchi treffen zu dürfen. Als ich ihn kennen lernte, hatte er gerade in den letzten 3 Jahren bei seiner Kampfkunst den unbewaffneten Bereich vervollständigt. Seine Kampfkunst nennt sich Nyoken Nyohen Jutsu. Ich sah diesen Stil und wusste auf Anhieb, dass ich diesen großartigen Stil unbedingt lernen musste. Ich war Feuer und Flamme. Gleich am Anfang meines 3-jährigen Aufenthaltes in Japan wurde ich Privatschüler von Taguchi-Sensei. Während der ersten 3 Monate trainierten wir unterschiedliche Arten des Taijutsu (waffenloses Ninjutsu). Ich hatte so gut wie täglich Privattraining bei Meister Taguchi und am Wochenende traf ich mich mit den restlichen Schülern zum trainieren. Danach kam eine sechsmonatige Trainings-Einheit in der ich nur noch Taihen Jutsu lernte (Fallschule).
Taguchi-Sensei ließ sich von mir angreifen, worauf hin er mich auf unterschiedliche ausgeklügelte Weisen verknotete, warf und hebelte. Durch dieses Training entwickelte ich innerhalb eines halben Jahres die Fähigkeit, mich aus den misslichsten Verrenkungen und Hebeln befreien zu können. Außerdem könnte ich dann fast aus allen Winkeln fallen, ohne mich dabei zu verletzen.
Eine Methode, um effektiv Ninjutsu zu lernen
Das Training bei Meister Taguchi hatte ein fortschreitendes Tempo. Damit ich mithalten konnte, entwickelte ich eine für mich passende Trainingsmethode. Sie ermöglichte es mir, die ganzen Rollen einfach und effektiv zu trainieren. Nachdem ich Taguchi-Sensei meine Übungsmethode vorgestellt hatte, war er damit einverstanden, dass ich sie bei seinen Neueinsteigern anwende. So wurden sie sehr schnell sehr gut.
Dank diesem Training verlor ich die Angst vor dem Fallen, wurde körperlich und geistig sehr flexibel und konnte so Taguchi-Sensei ale ein Art Stehaufmännchen dienen, damit er die Techniken, die er von den Kami (Spirits) empfing gleich anwenden konnte. Dieses spezielle Training rettete mir ein paar Monate später bei einem schlimmen Verkehrsunfall das Leben.
In Wahrheit ist das Weiche das Starke
In der Zeit, in der ich Taihen Jutsu lernte, brachte mir Taguchi-Sensei keine Techniken bei. Danach durfte auch ich dann selbst Techniken trainieren. Ich übte allerdings nicht immer wieder Angriff und Abwehr, sondern Bewegungsabläufe in Partnerübungen. Zu jeder der Techniken gibt es dabei immer mindestens eine Kontertechnik.
In vielen Kampfkünsten heißt es: "Angriff ist die beste Verteidigung." Bei meinem Training bei Meister Taguchi stand allerdings der "Angreifer" immer übler da, als der "Verteidiger". Ich erlebte immer wieder, dass es keinen Angriff gibt, den man nicht dafür nutzen kann, um auf sanfte Art und Weise jedem Angreifer beizubringen, dass ein friedlicher Weg, der Weg der spirituellen Krieger der wahre Weg ist. Es klingt vielleicht am Anfang sehr paradox. Wenn man diesen Weg allerdings beschreitet, zeigt sich, dass in Wahrheit ein weicher Stil stärker ist, als ein "harter". Trotzdem kommt es vor, dass es nötig ist einen Blitzangriff zu starten, um zu siegen. Wichtig dabei ist jedoch, dass wirklich ein Angriff kommt. Anstonsten ist der oben genannte Satz nur ein Alibi, um die eigene Angst vor einem Angriff zu deckeln und einen eigenen Angriff damit zu legitimieren.
Sun Tzu, ein berühmter General aus dem alten China, sagte dazu: "Wahrlich siegt, wer nicht kämpft."
Das Training mit den traditionellen japanischen Waffen...
Bald begann ich auch das Training mit den traditionellen japanischen Waffen, u.a. Kurzschwert und Langschwert. An einem besonderen Tag aber wurde ich von Taguchi-Sensei zu einer Wand seines Dojos (Trainingsraum) geführt, an der viele verschiedene Waffen hingen. Er gab mir zwei Entscheidungsmöglichkeiten für das weitere Training:
1. Er zeigt mir mit allen Waffen Technik über Technik, so dass ich mit allen Waffen sehr gut umgehen kann.
2. Er trainiert mich in einer einzigen Waffe meiner Wahl so ausführlich, so dass sie wie zu einem Teil meines Körpers wird. Allerdings ginge das nur, wenn ich die Grundlagen nochmal von Anfang an trainieren würde.
Was sollte ich tun? Mein Verstand redete mir ein, dass es ganz toll wäre ganz viele Techniken mit unterschiedlichen Waffen zu lernen. Ich folgte schließlich meinem Herzen und begann die Basis mit einer einzigen Waffe komplett von vorne zu trainieren. Wieso diese Entscheidung die absolut richtige war, wusste ich damals noch nicht. Meine Entscheidung war der Schlüssel dafür, dass ich irgendwann alle anderen Waffen auch beherrschen konnte. Ich wurde
dadurch Meister des Bojutsu, Kenjutsu und Ninjutsu. Diese Kampfkünste sind in Taguchis Stil vereint, auch wenn sie zum Teil unabhängig geübt werden.
Ich will nicht behaupten, dass ich alle Waffen vollendet beherrsche. Fortbildung gibt es immer in allen Bereichen und die eigenen Fähigkeiten sind nie ausgereift, auch nicht bei einem Großmeister. Ich bin z. B. ein exzellenter Schwertkämpfer, habe allerdings schon mit Leuten trainiert, die besser als ich mit dem Schwert umgehen konnten. Mit solchen Menschen trainiere ich gerne und tausche mich auch gerne aus, um weiter zu lernen und mich zu verbessern.
Was mich besonders fasziniert, sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Stilen. Im Katori-Kenjutsu hebt man das Schwert zum Beispiel ganz anders, als beim Ninjutsu-Stil. Dort wird davon ausgegangen, dass man als Samurai in einer Schlacht einen großen Helm auf dem Kopf trägt, so dass es nicht möglich ist, dass man das Schwert über dem Scheitel genauso drehen kann, als wäre dort kein Helm (wie z.B. beim Ninjutsu).
Die Waffe meines Herzens - Langstock
Schließlich ging es darum, dass ich meine Waffe aussuche. Mein Herz sagte mir "Langstock". Seit meiner Kindheit hatte ich mir gewünscht diesen zu beherrschen. Ich antwortete zuerst nicht. Stattdessen fragte ich Taguchi-Sensei, welche Waffe er an meiner Stelle nehmen würde. Als wüsste er was in mir vor ging, antwortete er: "Die Antwort kennst du selber - natürlich den Langstock." Ich war zutiefst beeindruckt und gleichzeitig sehr erfreut.
Das Training mit dem Stock begann. Ich trainierte auf die traditionelle Art und das war echt hart für mich. Eine der leichteren Übungen dabei waren: 2 Stunden lang immer wieder die gleiche Bewegung mit einem nicht gerade leichten Langstock durchzuführen. Eines Tages musste ich auch eine Woche lang in den japanischen Urwäldern trainieren, um meine Basis zu üben. Außerdem lernte ich dort, wie man Bambus mit dem Stock fällt.
Nach dieser Zeit unterrichtete er mich in den fünf Enbôjutsu-Formen (Affenstil). Diese Bewegungen sollen den Bewegungen von Affen ähneln, daher der Name. Nachdem ich den Affenstil gemeistert hatte, weihte mich Meister Taguchi in den Drachenstil ein (Ryûbôjutsu). Im Training durfte ich stets die Dinge üben, mit denen ich die größten Probleme hatte.
Eine neue Kampfkunst entsteht: Bôjutsu nach Meister Taguchi
Meister Taguchi hat seinen Kampfkunst-Stil (Taguchi Ryu Bôjutsu) nicht von Menschen gelernt. Wir würden sagen, dass es Intuition war, die die neuen Bewegungen und Techniken hervorbrachten. Wie dem auch sei, Taguchi-Sensei sagt, dass sein Stil von den Kami (die japanischen Spirits) kommt und er sie einfach nur empfängt und umsetzt. Die Kami der Kampfkünste werden bujin genannt. Allerdings ist ihm das auch nur möglich, weil er eine sehr umfangreiche Basis der Kampfkünste hat. Dadurch kann er auch die neuen empfangenen Bewegungen geschickt kombinieren.
Um eine Grundlage zu schaffen, feilt er so lange an den neuen Bewegungen und Techniken, bis sie schließlich komplett gereift sind. Wenn eine spontane Bewegung durch ihn durchkommt, wiederholt er sie sofort, um sie behalten und lehren zu können. Täte er das nicht, wäre sie für immer weg. So wächst sein Stil ständig weiter. Er übt die neuen Bewegungen und macht daraus anwendbare Techniken.
So konnte ich auch live miterleben, wie ein neuer Kampfkunst-Stil entsteht. Ich bekam den Auftrag von Meister Taguchi seinen Stil im Westen zu unterrichten. Das tue ich jetzt schon seit dem Jahre 1998.
Wie neue Kampfkunst-Stile entstehen können
Damit ein neuer Kampfkunst-Stil entsteht gibt es verschiedene Möglichkeiten und Vorgehensweisen.
Jeder kann hingehen und sich überlegen, wie man welche Technik und Bewegung wo zusammnennimmt. Das ist das einfachste. Man bastelt sich einfach ganz bewusst selbst etwas zusammen. Damit der Stil allerdings wirklich neu ist, ist es auch wichtig, dass der Stil-Gründer auch wirklich neue Formen und Techniken austüftelt. Sonst bleibt es nur ein Abklatsch von einem bestehenden Stil.
Bei Taguchi-Sensei lief es ganz anders, denn er hatte nicht die Absicht einen neuen Stil zu gründen:
Taguchi-Sensei trainierte 45 Jahre intensiv verschiedene Stile der Samurai und Ninja. Er meisterte das Kenjutsu und Ninjutsu und wurde darin sogar Großmeister (in Japan ein Lehrer, der andere Lehrer bis zum Meister ausbilden darf und kann). Irgendwann bei seinem Training sprudelten aus ihm ganz neuen Techniken. Diese waren ihm bis dahin völlig unbekannt, aber auch seinen Meistern (u.a. Hatsumi). Keiner kannte sie und wusste, was damit zu tun sei.
Der Großmeister des Bujinkan Budo Taijutsu Hatsumi erklärte ihm schließlich, dass das was passierte, dass ist, was das Mantra "Shikin hara mitsu dai ko myo" aussagt und er jetzt danach handle. Das bedeutete, er bekomme von nun an von den Kami (japanische Lichtwesen, darunter Dainichi Nyorai) Wissen und Techniken geschenkt.
Damit so etwas funktioniert sind zwei Dinge notwendig: über Jahre hinweg langes, intensives Training und spirituelle Persönlichkeitsentwicklung. Wenn man Friden im Herzen findet und man die Kampfkünste nicht nutzen möchte, um zu schaden, stattdessen damit anderen helfen möchte ihren Lebensweg leichter gehen zu können, handelt man im Sinne der Lichtwesen und bekommt den Zugang zu diesem Wissen. So jemand kann um einiges mehr lernen, als man je von einem Menschen lernen könnte.
Hatsumi stellte seinen Trainingspartner und Schüler Taguchi (war zu dieser Zeit schon Großmeister im Shinkan Ryu Kenjutsu) vor die Entscheidung: Entweder er solle vergessen, was vorgefallen war, das Wissen der Kami unterdrücken und weitertrainieren wie bisher, oder er trainiere nur noch die neuen Techniken und fange nochmal von vorne an. So entstand ein neuer Stil.
Japanische Kultur oder Esoterik?
Wir im Westen stecken solche spirituellen Dinge schnell in die "Esoterik-Schublade", weil wir die Zusammenhänge dahinter nicht verstehen können oder wollen. In Ostasien allerdings werden solche Erfahrungen, wie die von Meister Taguchi, nicht als Esoterik (bei uns im Westen ist Esoterik für viele der letzte Schrott) bezeichnet. In Japan sind und waren solche Vorkommnisse kulturprägend. Bei uns hat es früher solches Kulturgut auch mal gegeben. Leider wurde das meiste davon auf Scheiterhäufen verbrannt. Wir können die Kampfkünste Ostasiens auch rein technisch trainieren und die ganze Mystik dahinter ignorieren. Das geht sogar sehr gut. In Ostasien beginnt man auch so. Erst mit dem beherrschen der Grundlagen ist man so weit, dass man die inneren Fähigkeiten kultivieren kann. Wenn man sich dann irgendwann dafür qualifiziert hat, kann man von den Meistern innere Fähigkeiten wie z.B. die Sakki-Wahrnehmung (auf von hinten kommende Angriffe reagieren, bevor der Angriff kommt) oder den Dim Mak lernen. Das sind nur zwei von vielen Dingen, die möglich sind.
Damit man neben der technischen Ebene auch die anderen Fähigkeiten erlangen kann, ist genauso Training nötig. Wenn man davon überzeugt ist, dass es so etwas nicht gibt, weil es nicht sein darf, wird man auch nie darauf kommen solche Dinge lernen zu wollen. Und wenn jemand aus sportlichen Gründen Kampfkunst erlernt, ist das auch okay.
Möchte man aber auch innere Kampfkunst-Fähigkeiten erlernen, muss man erst mal einen Lehrer dafür finden. Die gibt es nämlich nicht an jeder Straßenecke. Dazu kommt, dass es viele Leute gibt, die nur von sich behaupten, sie könnten bestimmte Dinge. Dann gibt es die, die sehr große Angst vor solchen Fähigkeiten haben. Und ganz wenige haben sie wirklich und können sie unterrichten.
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